Stadtkontext

Achtung, es folgt ein Rant: Heute zu „den scheiß Linken“ und der Polizei

Leute, ihr macht mir Angst. Was stimmt mit euch nicht?

Hattet ihr keinen Politikunterricht in der Schule, und wisst deswegen nicht, warum Gewaltenteilung so wichtig ist?

Wisst ihr wirklich nicht, was es bedeutet, wenn ein Polizist einem Journalisten den Presseausweis aus der Hand schlägt und ihm mit Pfefferspray oder dem Wasserwerfer „antwortet“? Oder was es bedeutet, wenn die Polizei einen rechtskräftigen Gerichtsbeschluss ignoriert?

Wie ist es möglich, dass ihr die von der Polizei begangenen Gesetzesbrüche derart relativiert oder sogar ignoriert? Glaubt ihr, weil das Polizisten sind kann das ja gar nicht sein, dass die sowas machen? Rüttelt die Tatsache, dass sie es doch tun zu fest an eurem Weltbild, und deshalb blendet ihr das einfach aus? Polizeigewalt existiert. Hier findet ihr die Dokumentationen, Fotos und Videos vom G20 dazu. Und sie wird durch Wegschauen akzeptiert. Habt ihr eine Idee, wie das so ist wenn die Polizei einfach machen kann was sie will? Dann guckt euch auf der Welt mal ein bisschen um.

Wem das noch nicht reicht, der*die lese diese Stellungnahme von Geschäftsleuten aus der Schanze, die erstens vor Ort und zweitens von den Krawallen betroffen waren.

Die Polizist*innen, die ihren Job verantwortungsbewusst ausführen, leiden ebenfalls unter dieser Situation. Das Vertrauen in die Polizei als dein Freund und Helfer trägt irreparable Schäden davon, was den Beruf nicht gerade leichter macht. Das an dieser Stelle zur Differenzierung.

Die Krawalle sind richtig scheiße. Dazu haben bereits diverse von „den Linken“ Stellung bezogen, u.a. auch die Bewohner*innen der Roten Flora. Dieses undifferenzierte auf „die Linken“ zeigen ist genauso bescheuert wie auf „die Ausländer“, oder jede andere undifferenzierte Bullshit.

Wenn so viele Linke die Krawalle jetzt verurteilen, wer war das denn dann?

An dieser Stelle sollte jedem erstmal Gewahr sein, wer „die Linken“ und der schwarze Block überhaupt sind. Hierzu empfehle ich diesen Überblick. Es gab höchstwahrscheinlich in einer dieser vielen Gruppierungen auch Menschen, die sich an den Ausschreitungen beteiligt haben, aber eine deutliche Minderheit.

Und jetzt wird’s spannend: Anwohner*innen und Geschäftsleute benennen die Randalierer, Brandstifter und Ladenplünderer als Krawalltouristen, als alkoholisierte junge Männer, die im Windschatten und in der Anonymität der Großdemonstration mal so richtig die Sau rausgelassen haben.

Noch viel spannender ist aber das hier: SWR aktuell: Rechtsradikale unter den Randalierern

Hm, und jetzt? Jetzt lässt man sich vor diesem Hintergrund nochmal auf der Zunge zergehen, was es bedeutet, wenn Politiker nun eine Schließung der Roten Flora und anderer linker Zentren, eine Datenbank zur Überwachung von Linksaktivist*innen, oder eine Einschränkung der Versammlungsfreiheit (also der Grundrechte in einer Demokratie) fordern.

Was wollen „die Linken“ denn überhaupt? Wann ist man denn „links“?

Linke wollen gleiche Rechte und Gerechtigkeit für alle Menschen und stellen sich gegen Repression und Diskriminierung.

Rechte hingegen teilen Menschen in unterschiedlich wertvolle Menschen ein und wollen die in ihren Augen minderwertigen Menschen im Idealfall eliminieren.

Soviel zu „die Rechten tun doch niemandem was“ und ähnlichen Äußerungen bezogen auf die Tatsache, dass in Themar 6.000 Neonazis vollkommen ungestört verfassungsfeindliche Texte singen, „Sieg Heil“ grölen, verbotene Symbole tragen durften, und ihr menschenfeindliches Weltbild feiern konnten. Hattet ihr auch keinen Geschichtsunterricht? Versteht ihr wirklich nicht was da passiert?

Links zu sein bedeutet, sich für Probleme zu interessieren, für sie Verantwortung zu übernehmen und sich an der Lösung zu beteiligen, auch wenn sie nicht meine sind. Ich bin weiß und heterosexuell, im Grunde könnten mir viele Dinge egal sein (abgesehen von der tolerierten Abwertung von und Gewalt gegen Frauen*). Sind sie aber nicht. Weil mir bewusst ist, dass es mir nur deswegen so gut geht, weil es vielen anderen so schlecht geht.

Es sollten, nein, es MÜSSEN viel mehr Menschen links sein! Links zu sein heißt sich für Gerechtigkeit zu interessieren.

Wer „links“ als Abwertung verwendet, hat nicht nur diese grundlegende Ausrichtung nicht verstanden, sondern sollte sich ernsthaft Gedanken über sein Rechts- und Unrechtsempfinden machen, und die eigene Haltung reflektieren.

Sorry not sorry.

 

Anm. d. Red.: Die Meldung über die organisierten Rechtsradikalen unter den Randalierern (SWR) konnte bisher nicht bestätigt werden. Einzelfälle sind jedoch nicht auszuschließen.

About Bianca

Studiert Wirtschaftspsychologie und beschäftigt sich mit menschlichem Handeln, Fühlen und Denken. Politik? Unbedingt! Partei? Nur wenn's passt. Mag Sam Gamdschie und das mit der Zukunft.

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