Stadtkontext

Entspannt euch – Ein Plädoyer für weniger Angst im Jahr 2016

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Ich bin ein großer Freund der Digitalisierung. Das Internet alleine birgt Unmengen an Potential, technischer Fortschritt macht unser Leben einfacher und einfacher. Doch dieses Potential kennt sowohl positive als auch negative Aspekte. Im Rahmen sozialer Netzwerke neigen viele Menschen dazu, sich auf die negativen Aspekte zu konzentrieren. Gefahren sind plötzlich allgegenwärtig, „überall“ passiert etwas, „alles“ ist plötzlich schlimmer als „früher“. Dabei sollten wir einfach mal etwas entspannter an die Dinge heran gehen.

Das Jahr 2015 war überschattet von vielen negativen Dingen. PEGIDA, die AfD und andere Vereine ähnlicher Manier haben fleißig ihre rechte Hetze verbreitet und zusammen mit den teils verschlafenen Chancen und Voraussetzungen in Sachen Asylpolitik ein Klima der Angst geschürt. Hinzu kommen die Terroranschläge in Paris (und im Rest der Welt), über 700 Brandanschläge auf Asylunterkünfte in Deutschland. In Facebookgruppen und auch auf anderen Netzwerken wie Twitter oder Tumblr ist dieses Klima deutlich zu spüren: Kaum ein Post vergeht, unter dem sich nicht selten in irgendeiner Art und Weise menschenfeindliche Kommentare finden lassen.

Besonders aufgefallen ist mir hierbei die Gruppe „Aktuelle Einsätze in Bremen – Was ist hier los?“[2], die sehr gut als Beispiel für das taugt, was ich mit diesem Klima meine. Die Gruppe bietet eine Plattform für Menschen, die gerne wissen möchten, was in Bremen gerade so passiert. Dabei geht es insbesondere um Einsätze von Sicherheits- oder Rettungskräften diverser Art. Den Grundgedanken verstehe ich gut und eine gewisse Neugierde kann sicher nicht schaden, doch was genau machen Gruppen dieser Art mit uns?

Während ein großer Teil der Beiträge daraus besteht, Polizeimeldungen zu posten, spielt sich ein teils noch größerer Teil in den Kommentaren ab. Der Duktus: „Es wird immer schlimmer hier!“, „Bald kann man sich nicht mehr auf die Straße trauen!“ und „Oh mein Gott, an mir ist ein Auto mit Blaulicht vorbeigefahren, was ist das nur wieder los! Armes Deutschland!“. Sehr häufig, aber natürlich nicht immer, sind diese Kommentare gespickt mit einem fremdenfeindlichen Bezug. Dass im Gegenteil die Kriminalität in Bremen seit Jahren sinkt[3], ist meistens von geringem Interesse. Was zählt, ist die subjektive Wahrnehmung und nach der ist in Bremen die Hölle los.

Für das Jahr 2016 würde ich mir wünschen, dass die Menschen versuchen, wieder etwas mehr in sich zu gehen. Es ist ok, wissen zu wollen, was in der eigenen Umgebung und in der Welt passiert. Aber bei all den negativen Ereignissen sollten wir nicht vergessen, dass es uns im Großen und Ganze sehr gut geht. Versucht ein wenig, eure Mitmenschen positiver zu sehen, auch wenn das nicht immer so einfach ist. Macht euch Gedanken und hinterfragt, vergesst aber dabei nicht auch die Kritiker*innen zu hinterfragen. Versucht es mit weniger Angst. Und mit Entspannung. Und vor allem mit Menschlichkeit.

About Marvin Pollock

Nach fünf Jahren in den Untiefen Parteipolitik nutze ich das Medium Stadtkontext um weiterhin jenseits einer Partei politisch wirken zu können.

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