Stadtkontext

Achtung, es folgt ein Rant – Diesmal über rechtsoffene Redner beim RCDS und der Konrad-Adenauer-Stiftung

Vor wenigen Tagen veröffentlichte der AStA der Uni Bremen eine Stellungnahme zu einer von der Universität Bremen genehmigten Veranstaltung des rechtsoffenen Jörg Baberowski, der laut AStA durch Rechtfertigung von Anschlägen auf Geflüchtetenunterkünfte, nationalistisches Vokabular und rechte Positionen bei migrationspolitischen Fragestellungen aufgefallen war. In ihrem ausführlicherem Aufruf zum Gegenprotest, bezieht sich der AStA dabei auf mehrere Aussagen von Baberowski aus unterschiedlichen Quellen und stellt fest:

Sein „Deutschland“ imaginiert er als homogenen nationalen Körper, dessen „soziale[n] Kitt“ – ein konstruiertes „[g]emeinsam Erlebtes, Gelesenes, Gesehenes“(1) – er durch die geanderten „illegalen Einwanderer“(2) existenziell bedroht sieht.

Baberowski soll zudem über sein neues Buch über Gewaltforschung referieren, wozu der AStA kommentierte:

Baberowskis „Gewaltforschung“ kann sich bestenfalls fragwürdig nennen. Sie verzichtet auf die Erforschung der Ursachen von Gewalt, negiert die Möglichkeit von Gewaltprävention und erklärt ein noch gewalttätigeres Durchgreifen des Staates als Souverän zur einzigen Möglichkeit, wie Gewalt entgegenzukommen sei(3). Sein Hobbe‘sches Menschenbild nach dem Motto „Der Mensch ist des Menschen Wolf “ zieht sich auch durch seine politische Polemik gegen Geflüchtete, die er lieber gleich „illegale Einwanderer“(4) nennt.

Aufruf zum Gegenprotest des AStA der Uni Bremen

Aufruf zum Gegenprotest des AStA der Uni Bremen

Der „Ring christlich-demokratischer Studenten“ (RCDS) Bremen und die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) Bremen hatten diese Veranstaltung möglich gemacht. Nachdem in den letzten Tagen die Solidaritätsbekundungen für den Gegenprotest lauter wurden, hat sich nun die Konrad-Adenauer-Stiftung entschieden, ihre eigenen Räumlichkeiten in Bremen zur Verfügung zu stellen, um Sicherheit für den Redner und die Zuhörer*innen zu gewährleisten. Die Veranstaltung findet daher nicht mehr in der Universität statt, sondern wurde auf den 20.10.16 um 18:00 in die KAS, am Domshof 22, 28195 Bremen verlegt. Eine Teilnahme ist nur mit vorheriger Anmeldung bei der KAS möglich.

Anlässlich der Verlegung der Veranstaltung erschien auch eine Stellungnahme von Dr. Ralf Altenhof, dem Landesbeauftragten der KAS in Bremen. In dieser spricht er von einer massiven Bedrohung durch den AStA und bezieht sich, wie zu erwarten war, auf das Thema Gewalt:

Dass der AStA seine Drohung auch noch als ‚friedlich‘ charakterisiert, zeigt, wie verharmlosend die Verantwortlichen ihr eigenes Verhalten bewerten und wie notwendig eine Veranstaltung zur Gewalt ist.

(…)

Eine solche Veranstaltung ist eine Einladung zur konstruktiven Diskussion. Dass an einer Universität – gemeinhin ein Ort intellektueller Auseinandersetzung – eine Diskussion von vornherein unterbunden werden soll, ist beschämend und offenbar Ausdruck argumentativer Nöte.

Dass er selbst argumentativ nicht auf die mit Quellen untermauerten Vorwürfe eingeht und im Schlusssatz den AStA Bremen mit der rechtsradikalen PEGIDA-Bewegung gleichsetzt ist insofern bemerkenswert, da Altenhof selbst einigermaßen umstritten ob seiner politischen Position ist und durchaus auch rechte Redner bereits zu sich einlud. Mit der Vertretung der Extremismustheorie und seiner fragwürdigen Einladungen, stellt er sich damit fast selbst ins Aus und entkräftigt daher die Vorwürfe gegenüber Baberowski ironischerweise eher weniger. Eine Stellungnahme gegenüber der taz-bremen zum umstrittenen Extremismus-„Experten“ Eckehard Jesse – der im übrigen sein Doktorvater ist – sah beispielsweise folgendermaßen aus:

taz: Jesse ist, so schrieb Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung, „durch Verharmlosung rechtsextremer Umtriebe“ aufgefallen. Ein Beispiel: 1990 schrieb Jesse: „Auf Dauer dürfte Judenfeindlichkeit nicht zuletzt gerade wegen mancher Verhaltensweisen von Repräsentanten des Judentums an Bedeutung gewinnen.“

Altenhof: Xxx xxx xxxxx xx xx Xxxxxx xxxx xxxxxxx. Xx xxxx xxxx Xxxxxxx xxxxx xxxxxxxx, xxxx Xxxxx xxxxx Xxxxxxxxxx xxx xxxxxxxxx Xxxxxxxxxxxx xxxxxxxxx.

taz: Eben doch. Er schrieb etwa auch, dass „die Erosion der Abgrenzung zwischen demokratisch und extremistisch am linken, nicht am rechten Rand“ geschehe.

Altenhof: Xxx xxx xxxx xxxxxx xxxxxxx. Xx xxxxxxx: Xxx xxxxxx xxx xxxxxxx xxxxxxxx xxx Xxxxxxxxxxxxxx xxxxxxxx, xxx xxx xxx xxx Xxxxxxxxxxxxxxxxxx xx xxxxx xxxx xxxxx xxxxxxxx.

taz: Jesse gehört auch zu jenen, die gemeinsam mit dem Geschichts-Revisionisten Rainer Zitelmann publizierten und dem Nationalsozialimus zubilligen, er habe einen „Modernisierungsschub“ bewirkt.

Altenhof: Xxxx xxxxxx xxxx xxxxx Xxxxxxxxxxx.

taz: Ich kenne nicht so viele. Die, die das im Chor mit Zitelmann sagen, gelten als Revisionisten. Da wird Hitler gerne auch als Sozialrevolutionär angesehen.

Altenhof: Xxxx xx xxxxxxxxx xxxx xxx, xxxx xx xx Xxxxxxxxxxxxxxxxxxx xx Xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx xxx. Xxxxx xxxxxx, xxxx xx xxx Xxxxxxxxxxx xx xxx Xxxxxxxxxx, xxx xxxx xxxxxxx xxxxxx.

Die taz kommentierte nur am Rand:

Die Antworten von Ralf Altenhof mussten wir streichen, weil er nicht dazu stehen wollte, was er uns zuvor am Telefon gesagt hatte.

Ein Schelm…

Ob der Gegenprotest vor den Veranstaltungsräumen der KAS in Bremen weitergeführt wird, obwohl er von den Räumlichkeiten der Uni verlegt wurde, bleibt noch abzuwarten.


1 http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/joerg-baberowski-ueber-ungesteuerte-einwanderung-13800909.html

2 http://www.nzz.ch/nzzas/nzz-am-sonntag/deutschland-verwandelt-sich-in-eine-tugend-republik-ld.2198

Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, 26.04.2016

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/ Deutschland-zerbricht-an-der-Fluechtlingskrise/story/23245693


Danke an @dummkkopf für den Hinweis, an @krokodilgemuese für den taz-Artikel und an @komaru_u für die KAS-Stellungnahme!

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Setzt sich mit Politik, Diskriminierung und Geschlechterkrams auseinander. Sozialpädagogik. Manchmal etwas theorielastig. Mag Tee und ist in diesem Internet zuhause.