Stadtkontext

Nationalismus kann keine Lösung sein

Nach den furchtbaren Anschlägen in Paris stehen wir alle irgendwie unter Schock. Der Angriff lässt sich in seinem Ausmaß nicht ignorieren. Er traf Menschen in alltäglichen Situationen: bei einem Konzert, im Cafe und vor einem Fußballstadion. Es traf nicht wie im Januar gezielt die Redaktion einer Satirezeitung sondern scheinbar willkürlich Menschen, die ihren Freitagabend genossen. Somit hätten wir alle Opfer dieser Anschläge werden können.

Die Solidarität ist beeindruckend: In den sozialen Netzwerken überschlagen sich die Bekundungen, Politiker*innen aus aller Welt sichern der französischen Regierung ihre Unterstützung zu.

Bei Facebook können wir beobachten, wie Menschen ihr Profilbild mit den Farben der französischen Nationalflagge einfärben. Bei der europaweiten Schweigeminute erklang nicht nur in Paris die französische Nationalhymne. Diese Besinnung auf eine nationale Identität wirkt wahrscheinlich beruhigend und vermittelt in dieser Situation ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit – nicht alleine zu sein in Trauer und Angst – und ist daher gut nachvollziehbar.

Nationen können diese Sicherheit, nach der die Menschen sich sehnen, nicht bieten. Gerade eine Herausforderung wie der Umgang mit “Daesh” (ISIS) muss global angegangen werden. Sich auf die Nation als Konstrukt zu berufen, blendet aus, dass eben dieses Konstrukt selbst Schuld ist an soviel Gewalt und Terror – denn Nationalismus tötet. So viele Kriege und so viel Ausgrenzung findet im Namen von Nationen statt. Nationalismus kann keine Lösung sein, denn gerade dieser Nationalismus grenzt zahlreiche Menschen aus und schürt Hass gegen jene, die nicht zu jener nationalen Identität gezählt werden. In diesen Tagen trifft dies vor allem Muslime, da ihnen als Gruppe unterstellt wird, an den Taten durch ihre bloße Religionszugehörigkeit beteiligt zu sein oder ihnen zuzustimmen. Gewalt und Ausgrenzung sind die Folge.

Solidarität mit den Betroffenen der Anschläge ist richtig und wichtig. Doch diese Anschläge machen klar, dass wir alle schnell Opfer werden können –  unabhängig von Nationalität, Herkunft oder Religion. So wie die, die vor Daesh auf der Flucht und auf der Suche nach Schutz zu uns gekommen sind. Aber auch die Menschen, die von dem Anschlag in Beirut betroffen waren, dem Terror in Israel, in Ägypten und an so vielen anderen Orten, deren Nationalflagge uns nicht als Profilbild bei Facebook begegnet.

About Rob

Studiert Europäische Integration in Chemnitz, lebt in Leipzig. Hier mit Kommentaren und Analysen zur Europäischen Politik, Bundespolitik, zur Bremer Landespolitik und aus Sachsen. Auch mal zu Zukunft, Antifa und Kultur. Podcastet auch für Stadtkontext.

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