Offener Brief an Sigrid Grönert
Offener Brief des Arbeitskreises kritischer Jurist_innen Bremen an das Bremer CDU BĂŒrgerschaftsmitglied Sigrid Grönert (MdBB)
Frau Sigrid Grönert,
mit Ihrer Unterzeichnung der Online-Petition â Keinen Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogensâ, die eine RĂŒcknahme des Vorhabens der Landesregierung von Baden-WĂŒrttemberg, mit dem Titel âAkzeptanz sexueller Vielfaltâ, in den Bildungsplan festzuschreiben fordert, haben Sie sich als BĂŒrgerschaftsmitglied disqualifiziert und sind somit als Vertreterin der BĂŒrgerschaft Bremen nicht lĂ€nger tragbar.
Wir vom Arbeitskreis kritischer Jurist_innen sehen es als zwingende Voraussetzung an, dass eine Person, die an parlamentarischen Prozessen mitwirkt und öffentliche Mittel nutzt, sich mindestens an wissenschaftlich ĂŒberprĂŒfbare Fakten hĂ€lt, und sich nicht unter dem Deckmantel von religiös fundamentalistisch orientierten Glauben an homophoben Vorurteilen orientiert. HomosexualitĂ€t ist nach gefestigten wissenschaftlichen Erkenntnissen keine Krankheit und kann deswegen nicht, wie Sie es in einem Interview in der TAZ auch noch bekrĂ€ftigten, geheilt werden.
Die Auffassung von der angeblichen Heilbarkeit nicht-heterosexueller Menschen, entspricht der menschenverachtenden Vorstellung aus der Wirkungszeit des § 175 StGB. Die besonders in der Zeit des deutschen Nationalsozialismus Menschenleben beeintrĂ€chtigte. Die Konsequenz aus diesem Gedanken, der auffallend aggressiv allen nicht-heterosexuellen Menschen eine sexuelle UnnatĂŒrlichkeit unterstellt, zog im Nationalsozialismus die Vernichtung von Menschenleben nach sich und hat bis in die Geschichte der Bundesrepublik hinein das zwangsweise Unterbingen von homosexuellen Menschen in deutsche ZuchthĂ€user legitimiert. Die geistige Haltung, HomosexualitĂ€t laste etwas Krankhaftes an, wird von Menschen wie Ihnen trotz dieses Hintergrunds unsensibel bekrĂ€ftigt und beinhaltet im Kern denselben diskriminierenden Charakter, wie ihn schon die Gesetzgebung im Nationalsozialismus verfolgte und rechtsradikale Gruppierungen heute immer noch fordern. Aus diesem Zusammenhang erklĂ€rt sich auch, warum der einschlĂ€gig bekannte Bremer Neonazi, Henrik Ostendorf, dieselbe Petition unterzeichnete.
Frau Grönert, Sie wurden nicht vom Radio Bremen buten un binnen auf eine Stufe mit dem bekennenden Neonazi gestellt. Sie haben sich höchst selbst, auf Grund der deutlichen ideologischen Schnittmenge mit rechtsradikalen Inhalten, auf eine Stufe mit dem Neonazi Ostendorf gestellt. Faktisch in dem Moment als Sie dieselbe Petition unterzeichneten machten Sie Ihre Gesinnung unmissverstĂ€ndlich deutlich. Ihre Behauptung, Sie haben lediglich als Privatperson unterzeichnet, ist schon dahingehend falsch, als dass Sie keinen ideologischen Wahlmodus innehaben, zwischen dem Sie beliebig in privat und öffentlich wechseln könnten. Je nachdem, was gerade Ihrer fragwĂŒrdigen Politik nĂŒtzt. Wir unterstellen, dass Sie dies lediglich behaupten, um sich der öffentlichen Kritik zu entziehen. Recherchen zu Ihrer Person sprechen zudem eine deutliche Sprache. Im Einklang mit der Landes-CDU haben Sie stets eine ablehnende Haltung gegenĂŒber der Gleichstellung homosexueller Paare und machten dies auch zu ihrer Politik.
Des Weiteren ist diese homophobe Ideologie gedanklich, bei Ihren politischen Entscheidungen und Aktionen zu dem Thema, stets Grundlage ihrer Motivation. An diesem Punkt lĂ€sst sich nicht nur fragen, wie Ihr politisch rechts orientiertes Weltbild Kindern und Jugendlichen schadet, sondern auch Ihre TĂ€tigkeit in den verschiedenen AusschĂŒssen, der Ăffentlichkeit Sorge bereiten sollte.
Der RĂŒcktritt aus allen öffentlichen Ămtern des Landes Bremen ist zwingend erforderlich, da Sie mit Ihrer Unterzeichnung der Petition eine groĂe Zahl nicht-heterosexueller Menschen bewusst öffentlich diskriminieren, dem Neonazi Henrik Osterdorf und damit der rechtsradikalen Szene eine bĂŒrgerliche Legitimation verschaffen, sowie Ihre Amtszeit dahingehend missbrauchen, ein derart rechtsgerichtetes Weltbild inmitten der Ăffentlichkeit institutionell zu restaurieren. Das Bremer Parlament und öffentliche Mittel dĂŒrfen Ihnen nicht weiter zur VerfĂŒgung stehen, um der Gefahr entgegenzutreten, dass durch Ihre Person, mit Billigung Ihrer Partei, diesem menschenverachtenden Weltbild und seinen Folgen im Bremer Raum sowie andernorts, ein weiteres Forum geboten wird.
Mit Ihrer Unterzeichnung der Petition haben Sie sich als Vertreterin der Bremer BĂŒrgerschaft selbst diskreditiert und an GlaubwĂŒrdigkeit verloren, dass Sie eine Politik anstreben die allen Menschen in diesem Bundesland zu Gute kommt, unabhĂ€ngig ihrer sexuellen IdentitĂ€t.
Wir fordern Sie daher auf, aus allen öffentlichen Ămtern des Landes Bremen zurĂŒckzutreten und bitten Sie, sich fĂŒr Ihre diskriminierenden Praktiken und Inhalte bei den betroffenen Menschen zu entschuldigen.
Wir vom Arbeitskreis kritischer Jurist_innen möchten zudem mit Hinblick auf Artikel 2 Abs. 2 der Bremischen Verfassung, die Landesregierung auffordern, derartige Diskriminierungen nicht tatenlos hinzunehmen, ihrem eigenen Anspruch Geltung zu verschaffen und unverzĂŒglich Mittel bereitzustellen, Diskriminierungen wie sie vom BĂŒrgerschaftsmitgllied Sigrid Grönert und Personen wie Henrik Ostendorf ausgehen, aufzuklĂ€ren und den Schutz von betroffenen Menschen spĂŒrbar zu erweitern.

