AfD Bremen unter Frank Magnitz – Altbekannter Rassismus in neuer RadikalitĂ€t
Am 26. Mai wird nicht nur europaweit das EuropĂ€ische Parlament gewĂ€hlt, es wird auch in Bremen die neue Bremische BĂŒrgerschaft bestimmt. Bei der letzten Wahl sind vier AfDler ins Parlament eingezogen, eine eigene Fraktion konnten sie nicht bilden, da sie intern zerstritten waren. Doch das kann sich dieses Mal Ă€ndern. Die AfD wird womöglich die 5% in Bremen und in Bremerhaven ĂŒberschreiten und dann eine Fraktion bilden können. Spitzenkandidat und Bundestagsabgeordneter Frank Magnitz hat dazu in seinem Landesverband so radikal aufgerĂ€umt, dass eine Spaltung wie vor vier Jahren unwahrscheinlich scheint. Sein Sprung an die Spitze der AfD Bremen hat zudem dazu gefĂŒhrt, dass der ganze Landesverband noch stĂ€rker nach rechts abgedriftet ist, und kann nun ohne Zweifel als rechtsextrem/radikal bezeichnet werden – rassistisch, sexistisch und homophob war die AfD ja ohnehin schon seit der GrĂŒndung 2013.
Die Rolle, die Magnitz und die AfD in Bremen einnimmt, ist die des AuĂenseiters. In der Wahlsendung âWahllokalâ in der auch Magnitz zu Gast war, hat er sich kaum geĂ€uĂert, und wenn, hat er seine Opferrolle betont und den Sender selbst kritisiert. Inhaltlich kamen âseineâ Themen zurecht kaum zu Wort. Es wurde ĂŒber die Themen gesprochen die den Bremer*innen tatsĂ€chlich wichtig sind, und das sind vor allem Bildung, Armut und Klimaschutz. Die AfD setzt hingegen auf Themen wie Sicherheit und Integration.
Zur Bildungspolitik hat Magnitz sich in der Sendung dann doch noch geĂ€uĂert und gruselige Positionen ausgepackt. Das zeigt wie gefĂ€hrlich die AfD im Bremer Parlament wĂ€re. In der angesprochenen Sendung fordert er eine RĂŒckkehr zu einem Schulsystem was âĂŒber 100 oder mehr Jahreâ gut funktioniert habe. Was er damit genau meint ist unklar. Aber ein Blick in die Programmatik der AfD Bremen macht da dann doch vieles klarer. Die AfD fordert eine âIdeologiefreieâ Bildung. Dabei meint sie wohl die Kommunikation von der VielfĂ€ltigkeit der Gesellschaft an die SchĂŒler*innen. Etwa will die AfD die ErwĂ€hnung von sexueller Vielfalt in der Schule verhindern. LGBTQI-SchĂŒler*innen sollen schon in jungen Jahren marginalisiert werden. Dazu passt auch, dass die AfD die âGendertheorienâ aus den UniversitĂ€ten Bremens verbannen will.

Die AfD will zum Schulmodell der letzten 100 Jahre zurĂŒck. HeiĂt das auch Gewalt gegen SchĂŒler*innen?
Doch nicht nur das. Die AfD setzt auch auf ein elitĂ€res Schulsystem, was geprĂ€gt ist von Leistungsdenken und Disziplin. Diese Ideen knĂŒpfen an die gĂ€ngige Philosophie vor der 68er-Bewegung an, die auch MaĂnahmen wie Gewalt gegen SchĂŒler*innen als denkbares und wichtiges Mittel ansieht. Das anfangs erwĂ€hnte Zitat von Magnitz passt dadurch perfekt ins Bild. In dem Kontext steht auch die Verteidigung des dreigliedrigen Schulsystems, was SchĂŒler*innen bekanntlich frĂŒh in starre und vorbestimmte Wege drĂ€ngt. Die Trennung in diese drei Schulformen fördert vor allem SchĂŒler aus besserverdienenden Familien und zementiert gesellschaftlichen Trennung. Die Forderungen der AfD sind maximal entfernt von jeglicher Bildungsgerechtigkeit.
Das Bildungsthema ist aber eher ein Randthema fĂŒr die AfD. Im Mittelpunkt stehen fĂŒr sie die Themen Migration, Integration und Innere Sicherheit. Damit greift sie die Themen auf, die sie zu einer hohen PopularitĂ€t in ganz Deutschland gefĂŒhrt hat. GlĂŒcklicherweise hat die Medienlandschaft und auch die anderen Parteien begriffen, dass diese Themen der AfD nĂŒtzen und den Fokus im Wahlkampf anders gesetzt. Das liegt aber auch an einer prinzipiell liberaleren Einstellung der LandesverbĂ€nde der Parteien im Vergleich zu anderen VerbĂ€nden oder gar dem Bundesverband.
Die AfD in Bremen versucht das Thema Innere Sicherheit zu setzen. Die Polizei soll mehr Freiheit bekommen. Die Kennzeichnungspflicht, die auch in Bremen leider nicht immer ideal funktioniert, soll wieder abgeschafft werden, und stattdessen sollen VerdĂ€chtige und Unbeteiligte gleichermaĂen mit Bodycams gefilmt werden können. Â
Die AfD setzt besonders auf SchĂŒren von Angst vor EinbrĂŒchen und vor allem der sog. ClankriminalitĂ€t. Mittel der Wahl ist eine StĂ€rkung der Ăberwachung, der PolizeiprĂ€senz und rassistischer Kontrollen. Zwar wird der Rassismus von Ihnen oft geleugnet, aber die Formulierung im Wahlprogramm ist eindeutig: sie spricht da von âverdachtsunabhĂ€ngige(n) Kontrollen zur BekĂ€mpfung von AuslĂ€nderkriminalitĂ€tâ. VerdachtsunabhĂ€ngig sind sie dann sicher nicht mehr, sondern eben rassistisch motiviert. Insgesamt wird der offene Rassismus der AfD klar, wenn es um Sicherheit geht. Sie wirft der Justiz eine Bevorteilung von nicht-Deutschen vor und faselt von einem âHerkunfts- oder Religionsrabattâ, wofĂŒr es keinerlei Nachweise gibt. Ganz im Gegenteil ist institutioneller Rassismus hier sicherlich eher ein Problem, als das eine Bevorteilung eines ist.
Die AfD sieht die Quelle jeglicher KriminalitĂ€t in Migrant*innen und Deutschen, die nicht der weiĂen Norm entsprechen. Daher will sie auch vor allem rassistische MaĂnahmen einsetzen um KriminalitĂ€t zu bekĂ€mpfen. Der Grundansatz der AfD baut auf einer AtmosphĂ€re der Angst auf. Sie fordert MaĂnahmen aus Ăberwachung, Strafandrohungen und ĂŒberharte Reaktionen um vor allem Menschen, die nicht so aussehen wie sie oder anders denken, in stĂ€ndige Angst zu versetzen.
Besonders gruselig zu lesen ist die Position von Magnitz und Co zur Klimapolitik. In Ihrem Wahlprogramm leugnet die AfD den Klimawandel bewusst nicht, doch alle MaĂnahmen zur Reduzierung des CO2-AusstoĂes werden abgelehnt. Der Bundesverband fordert unter anderem den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen. Die AfD Bremen lehnt die âVerkehrswendeâ ab und sieht ElektromobilitĂ€t sehr kritisch. Der Verbrennungsmotor und synthetische Treibstoffe seien die Lösung der Wahl. Andere MaĂnahmen zur Reduzierung der Beteiligung des Verkehrs am Klimawandel lehnt die AfD auch ab, ob nun 30 Zonen oder Verbesserung des ĂPNV.  Die dringend nötigen MaĂnahmen in der Klimapolitik lehnt die AfD ebenfalls ab, ob nun Kohleausstieg, Recycling oder Windenergie. Eigene MaĂnahmen stellt die AfD nicht vor.
Stattdessen ist Magnitzâ Rhetorik in diesem Bereich radikal. Er spricht von âKlimahysterischen Parolenâ und ârotgrĂŒnen Windradfanatikernâ. Er ahnt geplante Enteignung von Autobesitzer*innen, hĂ€lt die EU-Grenzwerte fĂŒr unglaubwĂŒrdig und will zudem der Deutschen Umwelthilfe die GemeinnĂŒtzigkeit entziehen lassen.
Nach aktuellen Umfragen steht die AfD in Bremen bei 8% der Stimmen. Mit 5-6 Abgeordneten wĂŒrden sie daher in die BĂŒrgerschaft einziehen und den Fraktionsstatus erreichen. Dennoch bleibt Bremen eines der wenigen BundeslĂ€nder in denen die AfD bei unter 10% steht. Die Chance bleibt also, die AfD aus dem Parlament herauszuhalten. Ein wichtiger Beitrag ist natĂŒrlich die Mobilisierung der WĂ€hler*innen am 26. Mai. Aber es braucht ein klares Zeichen der Bremer*innen, dass AfD und Co nicht willkommen sind!
Das BĂŒndnis âGegen Rassismusâ organisiert am 25. Mai einen Sternmarsch gegen Rassismus. Wir empfehlen allen dort hinzugehen und ein deutliches Zeichen gegen die AfD zu setzen!
Den Aufruf zur Demo findet ihr hier!
Vielen Infos zur AfD Bremen gibt es auf der Webseite von AfD Watch Bremen.



