Weserstadion: Kreative Lösungen sehen anders aus
Der Kapitalismus hat den FuĂball fest im Griff. Das ist ein Fakt, an dem es keinen Weg vorbei gibt. Ob der Verein nun Paris St. Germain oder Werder Bremen heiĂt, spielt da keine Rolle. Wenn es darum geht im ProfifuĂball zu bestehen, braucht es Geld. Wer sich nicht den kapitalistischen Logiken unterwirft steigt schnell ab und verschwindet in der Bedeutungslosigkeit.
Dennoch wĂ€re es zu einfach alle Vereine im ProfifuĂball ĂŒber einen Kamm zu scheren, schlieĂlich gibt es Abstufungen. Nicht alle Vereine sind nur rein kapitalistische mittelstĂ€ndische oder groĂe Unternehmen, die global aktiv sind und versuchen den Millionenumsatz und den Profit noch weiter zu maximieren. Es gibt sicher Beispiele wie die von den katarischen Diktatoren finanzierten Clubs Manchester City und Paris St. Germain, dem von Oligarchen dominierten AS Monaco oder dem von US-Investoren ĂŒbernommenen AC Mailand. Doch viele Vereine verstehen sich als Vertreter ihrer HeimatstĂ€dte und bekennen sich zu ihrer sozialen Verantwortung. Werder Bremen war immer einer dieser Vereine â leider immer wieder mit Abstrichen.
Nun wird es wohl zur Ănderung des Namens des Bremer Weserstadions kommen. Angeblich soll der Verkauf an die Wohninvest Holding GmbH aus Baden-WĂŒrttemberg gehen. Abermals hat der Verein hier ein mehr als unglĂŒckliches HĂ€ndchen bewiesen. Nicht nur hatte Sportdirektor Frank Baumann noch vor Wochen versprochen, dass der Investor zur Philosophie des Vereins passen mĂŒsse. Es wurde betont, man suche âein Unternehmen mit gesellschaftlicher Verantwortung.â Aufsichtsratschef Marco Bode wurde darĂŒber hinaus erst kĂŒrzlich wie folgt zitiert: âWir sind ein Verein, der sich sozial engagiert und auch politisch positioniert.â Aber ein Vertrag mit einem kommerziellen Immobilienunternehmen in Zeiten der Wohnungsnot und ĂŒberhöhten Wohnungspreisen hat nichts mit sozialer Verantwortung zu tun. Wenn das eine politische Positionierung ist, dann ist es eine ziemlich miese.
Es ist ja nicht das erste Mal, dass man bei der Auswahl der Partner in FettnĂ€pfchen getreten ist. Der Trikotsponsor âWiesenhofâ ist bekannt durch Massentierhaltung, die stĂ€ndig mit FĂ€llen illegaler TierquĂ€lerei Aufmerksamkeit bekommt. Vorher war es der Wettanbieter âbwinâ der Menschen zu tausenden in finanzielle und gesundheitliche Not bringt. Die âCitibankâ die zu den Hauptverursacherinnen der globalen Finanzkrise zĂ€hlt und der Bekleidungshersteller âKikâ, dessen Kleidung unter anderem von Kindern produziert wurde.
Notwendig wurde der Deal, weil es eine FinanzierungslĂŒcke bei der Betreibergesellschaft des Weserstadions (BWS) in Höhe von ca. drei Millionen Euro jedes Jahr gibt. Durch die Umbauarbeiten 2004 bis 2011 mĂŒssen hier noch Kredite in Höhe von 70 Million Euro abgetragen werden. Wohninvest wĂŒrde die LĂŒcke mit dem 10-Jahres-Deal deutlich verkleinern und 30 Millionen Euro ĂŒberweisen.
Die BWS gehört zu gleichen Teilen der Stadt Bremen und dem Verein. Auch hier hÀtte es stattdessen sicher eine bessere Lösung geben können. Die Stadt Bremen, die ja eigentlich ein Interesse am Erfolg des Vereins und an der Erhaltung des Identifikationssymbols Weserstadions haben sollte, hat sich somit erfolgreich aus der AffÀre gezogen.
Aber auch das Argument des Vereins, dass so mehr Geld in Spieler investiert werden kann, trifft so nur begrenzt zu. Eigentlich hatte man kreative Lösungen versprochen, doch stattdessen wird der Namenszusatz âWeserstadionâ zum Firmennamen (âWohninvest Weserstadionâ) verwendet. Immerhin besser als die vollstĂ€ndige Umbenennung.
Kreative Lösungen sehen anders aus. Eine Faninitiative aus vielen Ultragruppen schlagen beispielsweise ein âPhantom-Spielâ vor, fĂŒr das Fans Karten kaufen können und so den vollen Ticketpreis der BWS zukommen könnte. Dazu ist ja auch die Fananleihe ein beliebtes Mittel um Geld in die Kassen zu spĂŒlen. Auch ein Zuschuss der Stadt könnte helfen das Loch zu schlieĂen. An kreativen Lösungen hat es also nicht gemangelt, sondern am Willen.
Die Fans wollen sich das jedenfalls nicht gefallen lassen. Am Montag (10. Juni) haben fast 1000 Werder-Fans fĂŒr den Erhalt des Namens demonstriert und klar gemacht, wie sich die organisierten Fans hier positionieren. Der Protest wird auch sicher weitergehen, noch fehlt nĂ€mlich eine öffentliche Stellungnahme des Vereins, der Deal sei noch nicht final unterschrieben.



