„Gottkanzler Schulz“ – eine sozialdemokratische Blendgranate?
Die SPD scheint wie neu geboren. Neueste Umfragen bewerten sie mit bis zu 31%, wenn am nĂ€chsten Sonntag Bundestagswahl wĂ€re – teilweise gar als stĂ€rkste Kraft vor der Union. Ein Mann ist es, der fĂŒr Ergebnisse verantwortlich ist, die selbst der optimistischste SPD-Fan nicht fĂŒr möglich gehalten hĂ€tte: der neue Kanzlerkandidat Martin Schulz.
Ein Mann aus Europa, der nun den Bundestagswahlkampf aufmischen soll. Viel wird spekuliert, warum gerade Martin Schulz diese Euphorie auslöst. Einige behaupten allein der Fakt, dass er nicht Sigmar Gabriel heiĂt wĂŒrde alte SPD-WĂ€hler*innen zurĂŒckholen, andere loben seine âAnpack-MentalitĂ€tâ die so erfrischend anders ist als Merkels Taktik des Abwartens, wieder andere halten sein Charisma und seine klare Kante gegen Rechts fĂŒr ausschlaggebend. Vermutlich spielt alles eine Rolle bei diesem aktuellen Hype.
Es ist natĂŒrlich gut, dass Schulz diesem sicher geglaubten Rennen nun eine neue Spannung verleiht. Ist eine WeiterfĂŒhrung der GroKo zwar von niemandem gewollt, aber doch von allen anvisiert worden – aus Mangel an Alternativen. Nun ist auch R2G wieder eine Alternative. Das bringt Abwechslung in den Wahlkampf und drĂ€ngt die AfD wieder an den Rand der Ăffentlichkeit, was ihr nur schaden kann.
Die Frage wird aber sein, wie sich die SPD im Mai inhaltlich aufstellen wird. Schulz hat bisher noch keine Abkehr der bisherigen SPD-Politik verkĂŒndet. Zwar scheint er auf das Thema Soziale Gerechtigkeit zu setzen, aber beschreibt eher allgemein was er will und wird noch nicht konkret. Ein echter âGottkanzlerâ kann er aber nur werden wenn er die SPD radikal umsteuert – höhere Steuern fĂŒr Superreiche, Abwenden von der Agenda 2010, ein erhöhter Mindestlohn, offene Grenzen fĂŒr FlĂŒchtlinge und Migrant*innen und ein Umsteuern bei der Energiewende. Das sind allesamt nicht Schulzâ Themen, gehört er doch zum eher konservativen FlĂŒgel der SPD.
Schulz muss handeln und dabei glaubwĂŒrdig bleiben. Das heiĂt auch auf Die Linke zuzugehen und im Zweifel eine GroKo ausschlieĂen. Sonst bleibt er nicht mehr als eine sozialdemokratische Blendgranate, die schneller verpufft als sie gezĂŒndet wurde.


